Lose Blätter, Prag und böhmische Dörfer
mit Wolfgang Volk nach Tschechien
(Hannah Glaser in der Frankfurter Rundschau vom 12.7.96)
Wolfgang Volks große Liebe begann im Prager Frühling. Damals studierte der heutige Lehrer Kunsterziehung und reiste mit dem Asta der Universität zum erstenmal in die Hauptstadt der damaligen CSSR. Es war die Zeit der Aufbruchsstimmung, der Studenten, die in den Straßen von Prag ,,Dubcek-Svoboda" skandierten, die Zeit der Hoffnung auf einen Sozialismus mit menschlichem Gesicht. Wolfgang Volk war ,,wie elektrisiert", und als er wieder heimfuhr, ließ er ,,ein Dutzend neue Freunde" zurück.Mit ihnen hielt er den Kontakt auch in den kalten Zeiten, die auf den sowjetischen Einmarsch im August 1968 folgten. Volk verbrachte die meisten seiner studienfreien Wochen an der Moldau, wohnte aber ,,immer im Hotel, um niemanden zu gefährden". Denn wer privat unterkam, mußte sich bei der Ausländerpolizei melden, die ,,die Gastgeber unter die Lupe nahm und sie der Staatssicherheit meldete". Volk lernte Maler, Musiker und Studenten kennen, Kneipenwirte und ,,ehemalige Professoren, die nach dem Einmarsch als Pförtner arbeiteten".
Den Grenzern jener Jahre war er nie geheuer, doch das einzig Belastende, was man bei ihm zutage förderte, war sein kleines Adreßbuch. ,,Da steht ja halb Prag drin" schnauzte ihn der diensthabende Posten an. Aber Volk konnte die politischen Sittenwächter mit dem Hinweis darauf besänftigen, daß er seine zahlreichen Trips inzwischen als Reiseleiter finanzierte, und dazu braucht es nun einmal etliche Kontakte vor Ort.
Längst war der Prag-Liebhaber auch anderswo im Land unterwegs, brachte erste Reisegruppen in die romantischen Städtchen Cesky Krumlov (Böhmisch Krummau) und nach Telc (Teltsch) in Mähren mit seinem atemberaubend schönen Renaissanceplatz - beide Ortschaften wurden mittlerweile von der Unesco zum Kulturerbe der Menschheit erklärt. Auf Komfort durften die Kunden dabei keinen allzu großen Wert legen, denn tropfende Wasserhähne und brettharte Handtücher waren ,,eher die Regel".
Auch das ist heute anders; mittlerweile bucht Volk seine Prag-Reisenden wahlweise in antik möblierte Wohnungen in der Altstadt, in Designerhotels oder in restaurierte Jugendstilvillen ein. Auch auf dem Land wurden historische Herbergen aufpoliert und stilvoll restauriert, öffneten alte Klöster und Schlösser ihre Pforten für Reisende; in Cesky Krumlov residieren die heutigen Kulturtouristen beispielsweise in einem restaurierten Jesuitenkolleg aus der Zeit der Renaissance, und in der idyllischen Teichlandschaft bei Marienbad hat Volk Zimmer in einem barocken Speichergebäude unter Vertrag, das zu einem originellen Hotel ausgebaut wurde.
In all den Jahren war es ,,eigentlich nur Mundpropaganda", die dafür sorgte, daß sich immer genügend Interessenten für die Reisen fanden. Daß fast alle Trips auch absolute Preisknüller sind, war dabei sicherlich hilfreich und resultiert daraus, ,,daß das Ganze eher ein Hobby ist und niemand davon leben muß".
Damit alles seine Ordnung hat, gründete Volk die Firma arttours, Gesellschaft für Studienreisen, deren Geschäftsführerin Marlene Zimmer Buchungen bearbeitet, Flugsitze reserviert, Konzertkarten bestellt und bei jenen Reisen die Leitung übernimmt, die nicht in die Schulferientermine fallen.
Das mittlerweile auf respektable Größe angewachsene Programm mit Reisen auf den Spuren der Donaumonarchie von Wien über Prag nach Budapest oder durch die westböhmischen Bäder gibt es auch weiterhin nur auf losen Blättern direkt aus dem Computer, denn schließlich, so Wolfgang Volk ,,verteuern Kataloge nur den Reisepreis und machen unflexibel in der Planung". Am allerliebsten komponiert der Prag-Fan maßgearbeitete Reisen für Schulklassen und kleinere Gruppen, ,,von Jugenstilfans bis zu Kafka-Maniacs". Für Einsteiger bietet arttours im Herbst (und über Silvester) Kurzreisen nach Prag zum Niedrigpreis.

